Geschichte und Leistungen des KKV Wiesbaden
Geschichte, Jubiläen und Jubilare
Lesen Sie mehr über die Geschichte und Leistungen des KKV Wiesbaden.
Hier finden Sie einen Bericht über unser 100-jähriges Jubiläum, sowie einen Bericht über unser 110-jähriges Jubiläum.
Entscheidende Impulse zur Gründung des KKV Wiesbaden gingen von der im Jahre 1892 in Mainz tagenden Katholiken-Versammlung aus. Der damals in Wiesbaden tätige Kaplan Wilhelm Flügel (später Erster Geistlicher Beirat) ergriff mit Unterstützung des Prälaten Dr. A. Keller die Initiative. Ihm zur Seite stand der Kaufmann Joseph Poulet. Weitere Mitbegründer waren u.a. Karl Lückemeyer (erster Vorsitzender), Georg Schardt und Adolf Neunzerling.
Die Gründung des katholischen, kaufmännischen Vereines Wiesbaden erfolgte am 13. April 1893. Die Fahnenweihe des KKV Wiesbaden fand am 4. Juni 1900 statt.Von Anfang an saßen im KKV "Prinzipale" und "Angestellte" zusammen. Dieser paritätische Charakter ist trotz mancher Gegenströmung - besonders in den Jahre 1913 und 1933 - bis heute erhalten geblieben. Der langjährige Vorsitzende Karl Böhm (Stadtrat) hat sich in der für den Verein außerordentlich schwierigen Zeit des Nationalsozialismus besonders um das Weiterbestehen des KKV Wiesbaden verdient gemacht. Der Verein wurde aber später wie in ganz Deutschland verboten. Nach dem Zusammenbruch konnte 1948 zur Neugründung aufgerufen werden. Erster Vorsitzender wurde Dr. Rudolf Wolter. Unter seinem Nachfolger - dem Buchhändler Albert Bock - konnte am 4.10.1953 das 60-jährige Stiftungsfest gefeiert werden. Der Verein erhielt für seine sozialen Leistungen von der Stadt Wiesbaden die Bronzene Ehrenplakette. Albert Bock erhielt am 12.06.1989 für seine Verdienste um den KKV die Dr-Friedrich-Elz-Plakette mit Urkunde. Er ist auch Ehrenmitglied des KKV Wiesbaden und des KKV - Diözesanverbandes Limburg. Tatkräftige Unterstützung hatte der KKV Wiesbaden in den Jahren des Wiederaufbaues durch seinen Geistlichen Beirat, Pfarrer Paul Planz. Am 10.11.1968 wurde das 75-jährige, am 6.10.1973 das 80-jährige, am 29.10.1983 das 90-jährige, am 2.05.1993 das 100-jährige und am 12.04.2003 das 110-jährige Stiftungsfest unter Vorsitz von Hartmut Röhrbein, gefeiert.
Zum 75-jährigen Jubiläum 1968 erhielt der Verein im Casino von Oberbürgermeister Rudi Schmitt die Silberne Ehrenplakette mit Urkunde der Stadt Wiesbaden. Im Jahre 1986 bekam unser Vorsitzender, Hartmut Röhrbein, vom KKV Bundesverband in Anerkennung seiner erfolgreichen Arbeit im KKV Wiesbaden und im Diözesanverband Limburg, die Dr.-Friedrich-Elz-Plakette, verliehen. Diese hohe Auszeichnung erinnert an den Gründer des KKV Verbandes im Jahre 1877 in Mainz. Das 100-jährige Jubiläum 2003 wurde im Kurhaus mit Oberbürgermeister Achim Exner und Bundesministerin Hannelore Rönsch als Festrednerin gefeiert. Neben Matthias Lechner, Oberbürgermeister von unserer Partnerstadt Görlitz, Karlheinz Wintgens KKV - Bundesverbandsvorsitzender, Prof. Dr. Friedrich Janssen, Geistlicher Beirat des KKV - Bundesverbandes nahmen viele Ehrengäste und Freunde von anderen KKV - Ortsgemeinschaften und aus anderen katholischen Verbänden teil. Der KKV Wiesbaden erhielt von Oberbürgermeister Achim Exner die Goldene Ehrenplakette mit Urkunde der Stadt Wiesbaden. Im Jahre 1994 gründete Hartmut Röhrbein in der Partnerstadt wieder den KKV Görlitz. Seit dieser Zeit findet ein ständiger Erfahrungs- und Besuchsaustausch zwischen den KKV - Ortsgemeinschaften Görlitz und Wiesbaden statt.
Bischof Dr. Franz Kamphaus von Limburg verlieh Hartmut Röhrbein 1994 die "Georgs-Plakette" als höchste Auszeichnung des Bistums Limburg für seine Verdienste.
Am 2. Dezember 2006 wurde Hartmut Röhrbein in Anerkennung der verdienstvollen ehrenamtlichen Tätigkeit von mehr als 40 Jahren zum Wohle der Landeshauptstadt Wiesbaden mit der "Bürgermedaille in Silber" durch Oberbürgermeister Hildebrand Diehl und Stadtverordnetenvorsteherin Angelika Thiels ausgezeichnet.
Jung- KKV Wiesbaden
Im Jahre 1905 wurde im KKV Wiesbaden eine Jugendabteilung "Jung-KKV" ins Leben gerufen, die bald 65 Jungkaufleute zählte. Im kleinen Kreis wurde wirkliche Erziehungs- und Weiterbildungsarbeit geleistet. Besondere Verdienste haben sich um den Jung-KKV die Geistlichen Präsides erworben. An erster Stelle Geistlicher Rat Hugo Pabst, der in der schweren Zeit des 1. Weltkrieges die Leitung der Jugendabteilung übernommen hatte, aber auch Pfarrer Ferdinand Müller, Geistlicher Rat Möller und Pfarrer Löhr. Die Jugendgruppe bestand bis 1937. Im Frühjahr 1951 erfolgte dann die Wiedergründung des Jung-KKV als eigenständige Gemeinschaft im Bund der Deutschen Katholischen Jugend und im KKV - Verband, deren erster Vorsitzender Andreas Keller war. Gerd Schuh folgte im Amt des Ersten Vorsitzenden und erhielt für seine langjährige Arbeit den Ehrenbrief der Jung-KKV Bundesführung 1961.
Das 10-jährige Bestehen des Jung-KKV nach Wiedergründung konnte unter dem damaligen Vorsitzenden Hartmut Röhrbein am 14.05.1961 in Wiesbaden gefeiert werden. Jedes Jahr im Mai wurde der "Tag des Jungkaufmanns" durchgeführt. Unter seiner Führung zählte der Jung-KKV in Wiesbaden 30 bis 40 Mitglieder. Hartmut Röhrbein war gleichzeitig mehrere Jahre Diözesanführer des Jung-KKV in der Diözese Limburg. In dieser Zeit erfolgten auch durch Röhrbein die Neugründungen des Jung-KKV in Limburg und Wetzlar. Mit anderen Jung-KKVlern wechselte er 1963 in den Stammverein über und ist heute seit 1967 Vorsitzender des KKV Wiesbaden. Für seine Verdienste um den Jung-KKV und die Jugendarbeit in der Diözese Limburg im Bund der Deutschen Katholischen Jugend wurde er vom Diözesanbischof Dr. Wilhelm Kempf mit dem silbernen Ehrenkreuz des BDKJ und von der Bundesführung des Jung-KKV in Essen mit dem silbernen Ehrenzeichen des Jung- KKV ausgezeichnet.
Von 1964 bis 1976 bestand kein Jung-KKV in Wiesbaden. Im Jahre 1977 wurde ein Jung-KKV erneut gegründet, der bis 1979 aktiv war. Hartmut Röhrbein konnte unter Mithilfe des damaligen Jung-KKV Bundesleiters Werner Batzke 1986 wieder einen Jung-KKV aufbauen. Werner Batzke war in den ersten Jahren Ringleiter und hat sich um die Jung-KKV Arbeit besodnere Verdienste erworben. Sein Nachfolger wurde Uwe Cordts und stellvertretende Ringleiterin Isabel Röhrbein. Jetzt besteht keine eigene Jugendgruppe. Die Jung-KKV Mitglieder wurden in den KKV übernommen.
Leistungen des KKV Wiesbaden
Die Geschichte eines Verbandes erschöpft sich nicht in der Aufzählung von Zahlen und Tatsachen. In ihr spiegelt sich auch ein Teil weltweiter historischer Prozesse, denen sich keiner entziehen kann. Das Gründungsjahr 1893 - was war das für eine Zeit? Thomas Mann sinniert: "Wer kein Goldstück in Händen gehabt hat, der hat das goldene Zeitalter der Bürgerlichkeit nicht gekannt."
Der KKV Wiesbaden bewies, dass er auf der Höhe seiner Zeit war. In dem Bestreben um Schaffung einer allgemeinen Altersversorgung für Angestellte spielte der KKV Wiesbaden in unserem Gebiet eine führende Rolle. Auf dem Verbandstag in Worms wurde bereits 1895 die Errichtung einer Pensionskasse geplant. Im Jahre 1902 wurde eine Studienkommission gegründet, die Vorschläge zur Altersversorgung ausarbeiten sollte. Adolf Neunzerling leitete diese Kommission 10 Jahre lang. Er hat sich große Verdienste um die Förderung der Angestelltenversicherung erworben. Daher gehörte er auch zu den Vertrauensmännern der Wiesbadener Vereine und des Verwaltungsrates, die nach Verabschiedung des Angestelltenversicherungsgesetzes zu wählen waren. Diese Leistungen können wir nur ermessen, wenn wir uns vor Augen halten, dass erst 1840 der Begriff der Sozialpolitik in der Theorie auftauchte, 1883 das Krankenversicherungsgesetz und 1911 das Angestelltenversicherungsgesetz verabschiedet wurden.
Durch Rundschreiben an die Firmeninhaber hat sich der KKV Wiesbaden immer wieder für einen Sommerurlaub der Arbeitnehmer eingesetzt. Es wurde die Bildung einer Urlaubskommission durchgesetzt. Es wurde mit anderen Vereinen zusammen gearbeitet. Der Erfolg blieb nicht aus. Unser Mitglied Emil Hees stellte die Verbindung zu den Unternehmensvereinen hier und förderte damit die weitere Entwicklung wesentlich.
Sonntagsruhe, Kaufmannsgerichtsbarkeit, Ladenschluss waren damals unbekannt. Wie bei der Verwirklichung des Erholungsurlaubs leisteten wir Pionierarbeit auch bei den Bestrebungen um die Einführung der Sonntagsruhe und des Ladenschlusses. Der KKV Wiesbaden stelle Ausschussmitglieder für die einzelnen Gremien, in denen um eine gesetzliche Grundlage dieser Einrichtungen erfolgreich gerungen wurde.
Auch auf dem Gebiet der Kaufmannsgerichtsbarkeit wirkte der KKV Wiesbaden aktiv mit. Der KKV arbeitete immer gut und aktiv mit anderen Vereinen, Verbänden und Korporationen zusammen, wenn es galt, unsere Bemühungen auf wirtschaftlichem oder sozialem Gebiet voranzutreiben.
Der KKV Wiesbaden gab sich aber nicht mit der Unterstützung dieser Bestrebungen zufrieden. Er schuf für seine Verbandsmitglieder eine Reihe beispielhafter Wohlfahrtseinrichtungen:
- Krankenkasse
Ihre Zentrale befand sich in Hannover. Eine Geschäftsstelle mit eigenem Vorstand war auch bei uns. Sie wurde erst in den 30er Jahren durch staatliche Maßnahmen aufgelöst.
- Stellenvermittlung
Da es noch keine Arbeitsämter gab, betrieb der KKV eine Stellenvermittlung. Im Jahresdurchschnitt wurden 60 Vermittlungen vorgenommen. Der Kaufmann Georg Schardt hat sich dieser Tätigkeit besonders angenommen und war Leiter der Stellenvermittlung. Neben seiner Arbeit als Kaufmann war er unermüdlich tätig, seinen Mitmenschen zu helfen. Er erfreute sich deshalb auch großer Liebe und Verehrung, die wohl selten einem Verbandsbruder zuteil wurde. Für seine Verienste wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Als er 1912 mit erst 49 Jahren starb, gab der KKV Wiesbaden fast vollzählig das letzte Geleit. Verbandsleitung, Vereine anderer Städte und fast alle sonstigen Wiesbadener Korporationen hatten Kränze und Abordnungen mit Fahnen entsandt. Die Nachfolge der Stellenvermittlung übernahm Franz Fliegen und später Wilhelm Seelbach.
- St. Marien Witwen- und Waisenkasse
Die Gründung erfolgte im Jahre 1897 auf dem Verbandstag in Erfurt. Sie wurde später als freiwillige Versorgungseinrichtung weitergeführt.
- Sterbekasse
Sie bestand bis zur Inflation nach dem Ersten Weltkrieg.
- Stellenlosen- Unterstützungskasse / allgemeine Unterstützungskasse
- Vereinssparkasse
Auch diese Einrichtung fiel der Inflation zum Opfer.
Auch in den Bemühungen auf dem Gebiet des kaufmännischen Bildungswesen ist der KKV Wiesbaden nicht untätig geblieben. Die Lage von damals war mit der heutigen kaum zu vergleichen. Es bestanden weder städtische Berufsschulen, noch Handelsschulen. An Wirtschaftsoberschulen dachte man überhaupt noch nicht. An den Magistrat der Stadt Wiesbaden wurde ein Antrag auf Einrichtung einer Pflichtfortbildungsschule für Kaufmannslehrlinge gerichtet. Die Schule wurde bald darauf eröffnet. Der KKV Wiesbaden stellte mit den übrigen Fachvereinen die Mitglieder des Schulvorstandes. Im KKV selbst fanden regelmäßig Diskussionsabende statt, die wesentlich zur fachlichen Weiterbildung der Jungkaufleute beitrugen. Der KKV bietet heute seinen Mitgliedern interessante Bildungsveranstaltungen und jährliche Studienfahrten ins Ausland an.
Im Laufe der Zeit sind besonders nach dem Zweiten Weltkrieg Berufsgruppen entstanden, die es zur Zeit der Vereinsgründung noch nicht gegeben hatte. Als katholischer, kaufmännischer Verein hat sich der KKV als ein dem Mittelstand zugeordneter Verband verstanden. Zunächst erfasste er die klassische Mittelstandsschicht der Kaufleute und Beamten. Seit 1965 ist der neue Mittelstand voll integriert. Deshalb die Namensänderung in "KKV - Gemeinschaft der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung" mit gleichberechtigter Mitgliedschaft der Frau.
Der KKV Wiesbaden weiß, dass er einer großen Tradition verpflichtet ist. Unser Wahlspruch ist auch heute noch:
Ehrlich im Handel - christlich im Wandel!


