Soziale Marktwirtschaft braucht Bildung und Wissen
Wir leben in einer Welt, in der dem Dienstleistungssektor eine wachsende Bedeutung zukommt. Der Anteil der Industriearbeit am Bruttosozialprodukt geht kontinuierlich zurück, Bildung und Information werden immer wichtiger. Damit rückt zunehmend die Frage in den Vordergrund, wie sinnvoll das vorhandene Wissen eingesetzt, wie effektiv es weitergegeben wird. Bildung und Wissen werden im globalen Wettbewerb des nächsten Jahrhunderts zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren zählen.
Die Kritik an der Sozialen Marktwirtschaft hat Hochkonjunktur. Dies zeigt auch das neue SPD-Grundwerte-Papier. Anderseits gibt es kein besseres Konzept um Wohlstand für breite Schichten der Bevölkerung zu schaffen. So hat die Soziale Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland für breite Bevölkerungskreise eine beispiellosen Reichtum geschaffen. Die Kirchen beklagen wieder die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland. Hierbei wird immer auf die Zunahme der Sozialempfänger verwiesen. Einmal abgesehen davon, daß Sozialhilfeempfänger wieder einmal als Arme bezeichnet werden - obwohl die Sozialhilfe Armut verhindert, nicht beinhaltet -, ist festzustellen: Eine Sozialpolitik, die grundlegend als Umverteilungspolitik verstanden wird, muß gesellschaftspolitische Konflikte verschärfen.
Die sozialpolitischen Rahmenbedingungen brauchen ein Anreizsystem. Die Politik und auch die Kirchen dürfen die Marktwirtschaft nicht als moralisches Übel sehen, sondern als eine Ordnung, die über Anreize ethisch und ökonomisch funktioniert. Der Staat muss die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens sichern und nur marktkonform eingreifen. Leider haben wir uns vom ursprünglichen Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft entfernt. Das Soziale wird heute leider nur noch an der Höhe der sozialpolitischen Umverteilungsausgaben gemessen. Die Demokratie und der Staat sind aber auf die Leistungen der Marktwirtschaft angewiesen. Deshalb liegt es im Interesse des Staates, die Funktionsfähigkeit der Marktwirtschaft zu fördern. Es ist auch eine Aufgabe des KKV sich für die Soziale Marktwirtschaft einzusetzen.
Hartmut Röhrbein, Diözesanvorsitzender des KKV - Diözesanverbandes Limburg