Das Soziale neu denken - Mentalitätswandel ist gefordert

20. November 2004

Angesichts der drängenden Probleme insbesondere im Bereich der Sozialpolitik erinnert der KKV - Diözesanverband Limburg, Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, an den Impulstext "Das Soziale neu denken. Für eine langfristig angelegte Reformpolitik", der bereits am 12. Dezember 2003 von der Deutschen Bischofskonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Nach Ansicht des katholischen Sozialverbandes stellen die Bischöfe in ihrem Papier zu Recht fest, dass "der sozialpolitische Reformstau in eine Gesellschaft geführt hat, in der gesellschaftliche Ressourcen der Solidarität und Eigenverantwortung zusehends geschwächt werden. Beigetragen hat dazu auch, dass man sich auf die Verteilung von Haushaltsmittel konzentriert und sich gleichzeitig ein Anspruchsdenken entwickelt hat, das vom Staat unter Missachtung des Prinzips der Subsidiarität zu viel erwartet".

Der KKV - Diözesanverband Limburg stimmt auch der Analyse zu, dass der Sozialstaat heute selbst dazu beitrage, dass die Grundlagen gesellschaftlicher Solidarität ausgezehrt würden, indem vor allem die Solidarität in der Familie durch die heutigen sozialstaatlichen Umverteilungsmuster eher geschwächt als gestärkt würden. Zutreffend sei deshalb auch die sich hieraus ergebende Schlussfolgerung, dass es eine entscheidende Aufgabe sein werde, "die Familie als primären Ort des Heranwachsens von Kindern und damit als Garant nachwachsender Generationen zu stärken und die Bereitschaft für neue formen solidarischer sozialer Sicherung zu aktivieren". Deshalb müssten nach Überzeugung des KKV Familien in ihren Erziehungsmöglichkeiten so unterstützt werden, dass sie selbst entscheiden könnten, wie sie ihren Erziehungsauftrag wahrnehmen wollten.

Zu einer Rückbesinnung auf die "Soziale Marktwirtschaft" hat Kardinal Lehmann aufgerufen. In den vergangenen Jahren seien Grundprinzipien wie Eigeninitiative, Selbstverantwortung, Leistungsbereitschaft und Mut zum Wettbewerb immer weniger zur Geltung gekommen. Gleichzeitig seien Ansprüche an den Staat gestiegen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz vor Wirtschaftsvertretern in Königswinter.

"Im übrigen warnt der KKV schon seit Jahren davor", so der Vorsitzende des KKV - Diözesanverbands Limburg, Hartmut Röhrbein, Wiesbaden, "dass das derzeitige System der sozialen Sicherung - nicht zuletzt aufgrund der demographischen Entwicklung - auf Dauer so nicht mehr zu finanzieren ist. Aus diesem Grund werden wir auch nicht müde, immer wieder für mehr Eigenverantwortung zu plädieren sowie für die Förderung der Familie als kleinster, aber wichtigster Zelle der Gesellschaft einzutreten". Soziale Gerechtigkeit und Eigenverantwortung seien für den katholischen Sozialverband deshalb keine Gegensätze, sondern die zwei Seiten derselben Medaille. Eigenverantwortung im Sinne des Subsidiaritätsprinzips sei nicht unsozial, sondern das Kennzeichen einer Gesellschaft, die soziale Gerechtigkeit anstrebt. "Sozial ist deshalb, was den Einzelnen zur Eigeninitiative ermutigt und zur Eigenständigkeit befähigt", betont der KKV - Diözesanverband Limburg. Wer sich nur um die Verteilung des Kuchens Gedanken mache und nicht um seine Herstellung, vergesse, dass auch der Staat unsozial handele, wenn er seinen Bürgern immer mehr von dem Geld abnehme, das sie vorher - oftmals sauer genug - verdient hätten.